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Grüsse aus dem Home Office

Grüsse aus dem Homeoffice

Benjamin Moser ist seit sieben Jahren in verschiedenen Positionen bei MediaCom Switzerland tätig und hat kürzlich die Rolle als CEO übernommen. Seine Laufbahn hat er bei Mindshare und Carat in Deutschland begonnen.

Werbewoche: Die Homeoffice-Zeit neigt sich vielerorts dem Ende zu – wann kehren Sie in die Agentur zurück?

Benjamin Moser: Wir haben ein Konzept erstellt, das die Rückkehr der Mitarbeiter ab dem 11. Mai ermöglicht. Entscheiden tut dabei jeweils der Mitarbeiter selbst, wann und wie oft er von der Agentur aus arbeiten will.

Befindet sich Ihre ganze Agentur im Homeoffice?

Zum allergrössten Teil sind wir im Homeoffice. Vereinzelt sind Kollegen mal vor Ort, wenn es Aufgaben gibt, die aus dem Homeoffice nicht machbar sind, oder wenn die Decke zu Hause auf den Kopf zu fallen droht.

Hatten Sie damals bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?

Nein, oder zumindest keine Probleme die MediaCom zu verantworten hätte. Einzig meine beiden Jungs klauen mir manchmal die Bandbreite im W-LAN, infolge dessen ruckeln dann die Teams-Calls.

Wo haben Sie sich eingerichtet?

Ich habe das Glück einen eigenen Raum für mich zu haben, in dem ich recht ungestört arbeiten kann und der alles bietet was gebraucht wird. Einzig ein guter Bürostuhl hat gefehlt, den habe ich mir dann, nach den ersten Tagen im Homeoffice, aus der Agentur geholt.

Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Das Wichtigste ist genügend Zeit zum Austausch mit unseren Kunden und den Kollegen. Da hilft ein wenig unbesetzte Zeit im Terminkalender sehr, denn oftmals sind die Gespräche ohne konkreten Anlass die Wertvollsten.

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Mussten Sie im Laufe der Homeoffice-Zeit «nachrüsten» oder Material aus der Agentur holen?

Ich habe mir online eine andere Tastatur bestellt, die deutlich nutzungsfreundlicher ist, nachdem ich bis dato mehr nach dem Design als der Funktion meine Hardware ausgewählt hatte.

Ist es schwierig, sich genügend abzugrenzen, wenn die Kinder zuhause sind?

Da ich meinen eigenen Raum habe und tagsüber vor allem meine Frau die beiden Rabauken im Zaum hält ist es für mich kein Problem mich abzugrenzen. Dennoch crashen die beiden regelmässig meine Videocalls, was aktuell aber fast zum guten Ton gehört und das mir bis jetzt noch keiner übelgenommen hat. Dennoch weiss ich auch von vielen aus der Agentur, dass das schon sehr herausfordernd sein kann, gleichzeitig seinem Job, als auch seinen Kindern gerecht zu werden.

Hatten Sie zuvor bereits Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?

Bisher gab es für Homeoffice selten einen Grund, höchstens in Notfällen oder wenn mal ein Handwerker vorbeikommen musste. Ein grosser Freund davon war ich nie – ich erkenne jetzt aber schon ein paar Vorteile.

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Alles was das Sachliche und Faktische betrifft klappt recht gut. Ich würde sogar behaupten, dass viele Aufgaben ein wenig effizienter erledigt werden können. Man wird weniger in seiner Konzentration gestört, oder man kann viel einfacher entscheiden sich für den Moment einfach nicht stören zu lassen, als wenn man im Büro sitzt.

Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag schwierig, wenn man sie «aus Distanz» erledigen muss?

Wir sind eine Agentur. Da ist ein ganz zentraler Bestandteil das Zwischenmenschliche und der persönliche Austausch, abseits der ganzen To Do`s. Ich tue mich zum Beispiel schwer bei unseren virtuellen Townhall-Meetings. Die Reaktionen der Kollegen sind da nicht direkt zu beobachten auf das was man sagt und präsentiert, weshalb auch die Stimmung schwerer einzuschätzen ist. Ich nehme mir deshalb zusätzlich die Zeit jeden Tag mit mindestens zwei Mitarbeitern zu telefonieren, mit denen ich sonst nicht jeden Tag direkt zusammenarbeite.  Es interessiert mich sehr wie es meinen Mitarbeitern geht und wie ich sie in dieser schwierigen Situation unterstützen kann.

Gibt es etwas, was sogar einfacher oder produktiver funktioniert im heimischen Büro?

Die Leute sind besser erreichbar, Meetings fangen immer pünktlich an und gefühlt komme ich mit vielen Themen schneller voran.

Was tun sie dagegen, dass Ihnen zuhause die Decke auf den Kopf fällt?

Wenn ich mal auf andere Gedanken kommen muss gehe ich in meinen Game-Room und versuche meine Highscores zu verbessern. Dabei kann ich herrlich abschalten und wieder frische Energie tanken.

Haben Sie in dieser Zeit etwas gelernt oder perfektioniert?

Ja, meine «live catch» und «shatzing» Techniken beim Flipper spielen werden immer besser.

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Hat sich bei Ihnen schon so etwas wie ein Homeoffice-Koller bemerkbar gemacht?

Ja, zunehmends. Ich werde definitiv einige positive Erkenntnisse der Homeoffice-Erfahrung in meinen Arbeitsalltag integrieren, aber ich freue mich auch sehr meine MediaCom-Familie wieder zu sehen. Sogar auf den täglichen Stau freue ich mich wieder.

Was vermissen Sie am meisten am physischen Agenturalltag?

Das mag vielleicht komisch klingen, aber mir fehlen die Autofahrten zur Agentur und zurück. Das sind für mich immer die Momente um sich morgens auf den Tag einzustellen und abends zu rekapitulieren und runterzufahren. Der Weg vom Esstisch ins Homeoffice ist in fünf Sekunden erledigt. Da bleibt keine Zeit für diese Rituale und so verschwimmen oft die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.

Was vermissen Sie generell am normalen Alltag?

Ich vermisse vor allem die Freiheit zu reisen. Zum Beispiel würde ich gerne mal wieder meine Familie in Deutschland besuchen.

Was werden Sie – rückblickend – am meisten vermissen an der aktuellen Situation?

Mir wird fehlen, dass ich meine Jungs ausnahmslos jeden Tag sehen kann und ausserplanmässig eine halbe Stunde mit ihnen im Garten eine Runde Fussball spielen kann.

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Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre Agentur die Krise überstehen wird?

Daran habe ich keinerlei Zweifel. Wir haben langjährige und intensive Partnerschaften mit unseren Kunden. Da führt die aktuelle Situation sogar dazu, dass wir noch enger zusammenwachsen und eine erhöhte Wertschätzung dafür erfahren, wie schnell und flexibel wir auf die Veränderungen reagiert und neue Lösungsansätze entwickelt haben.

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?

Wir hatten schon vor Corona einen starken Zusammenhalt in der Agentur. Dieser ist in den letzten Monaten aber nochmals deutlich stärker geworden und alle Kollegen begegnen sich mit unglaublich viel Verständnis und Hilfsbereitschaft. Das ist für mich von grosser Bedeutung und macht mir umso mehr bewusst warum ich Teil dieser Agentur bin.

Inwiefern wird Ihre Agentur von der Krise beziehungsweise aus den Learnings daraus profitieren?

Wir sehen uns in unserer Entscheidung auf agile Arbeitsweisen zu setzen voll bestätigt, die wir bereits vor zwei Jahren implementiert haben. Diese gelernte Agilität hat unsere Arbeit gerade in der aktuellen Situation sehr erleichtert und hat uns erlaubt den Fokus voll auf unseren Kunden zu haben, anstatt sich erstmal selbst mit den neuen Gegebenheiten zurechtfinden zu müssen.

Wann und wieso haben Sie im Zusammenhang mit dem Homeoffice zum letzten Mal gelacht?

Das war eindeutig in unserem letzten virtuellen Townhall Meeting und gelacht habe ich da vor Freude. Unsere Mitarbeiter hatten uns da ein selbstproduziertes Dankesvideo vorgespielt, für wie wir diese schwierige Zeit managen. Diese Geste hat mich sehr gefreut und hat mir etwas die Sprache verschlagen.

Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?

Starke und verlässliche Agenturen an der Seite ihrer Kunden sind durch diese Krise eher noch wichtiger geworden. Den Agenturen, denen es gelingt, sich auf die veränderten Bedürfnisse ihrer Kunden einzustellen muss um die Zukunft nicht bange sein.

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