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Alexa, gib mir eine Idee zum Muttertag!

In this exclusive blog Daniela Krautsack Managing Director of Cities Next and former MediaCom employee talks Voice, where are we now and what to look out for in future

„Was haben Fußballer und Äpfel gemeinsam? Foult einer, foulen alle.“ sagt Alexa mit monotoner Stimme. Der Vorführeffekt funktioniert. Alle lachen. Alexa hat also Humor. Wer will schon eine digitale Begleiterin, die nur den Fahrplan vorliest, die Uhrzeit ansagt oder das Wohnzimmerlicht an- und ausschaltet? Das wäre auf Dauer langweilig.

Amazons „smarter Lautsprecher“ Echo hat sich mit seiner Sprachassistentin Alexa vom Kuriosum zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Und viele andere sind im selben Wettbewerb aktiv: Apple mit Siri, Samsung mit Bixby, Microsoft mit Cortana und Google mit seinem noch namenlosen Assistant. Aber was ist dran am Thema? Haben diese Sprachassistenten das Zeug dazu, Online-Marketing und Websuche grundlegend zu verändern, wie manche Experten behaupten?

Woher kommt diese Begeisterung für Sprachassistenten und „Voice Search“?

Voice gibt einen Blick in die Zukunft, wie wir mit Computern interagieren werden. Experten bezeichnen es als ähnlich große Umwälzung wie Touchscreens, Apps oder das Mobile Web.

Tatsächlich gibt es eine eindeutige Tendenz, wenn man sich die Entwicklung von Benutzeroberflächen bei Computern anschaut: Sie nähern sich immer weiter dem an, wie Menschen miteinander und mit ihrer Umwelt interagieren.

Anfänglich war das noch so abstrakt, dass es nur Spezialisten nach entsprechender Schulung verstanden. Display und Tastatur machten das im nächsten Schritt schon ein wenig einfacher. Die grafische Benutzeroberfläche versuchte zusätzlich viele Vorgänge bildhaft zu machen. Mit Touchscreens reagierten die Geräte dann auf bereits bekannte Gesten wie Wischen und Tippen. Natürliche Sprache ist nun in vielen Situationen eine so verständliche wie effiziente Form der Bedienung.

Trend oder Spielerei?

Trotz steigender Nutzerzahlen fragen sich Experten und Content-Anbieter, wie Sprachsteuerung in Zukunft genutzt werden soll. Anders gefragt: Brauchen wir Schreibtischlampen oder Kühlschränke, die auf Sprachbefehle warten? Digitale Sprachassistenten werden per Sprachbefehl gesteuert und ermöglichen dank einer stetig wachsenden Zahl von Skills, dass unsere digitalen Butler verschiedene Bereiche des Alltags organisieren.

Voice Search ist kein kurzweiliger Trend. Als logische Konsequenz der intensiven Nutzung mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets haben Sprachassistenten seit der Einführung von Siri im Jahr 2011 erhebliche Fortschritte gemacht und sind nun zunehmend in der Lage, komplexe und multiple Anfragen zu beantworten. “OK Google, schalte die Klimaanlage im Wohnzimmer auf 21 Grad und spiele Musik von Cool and the Gang” führt dann beide Aktionen gleichzeitig aus. Dadurch könne man ‚viel natürlichere Unterhaltungen mit seinem Sprachassistenten führen‘ meint Google Manager Scott Huffman.

2018 werden Alexa und Google Assistant versuchen, neue Anwendungsorte zu erschließen und größere Ökosysteme aufzubauen. Und sie werden es tun, während sie neue Bedrohungen von Rivalen wie Apple und Samsung abwehren.

Google hat gerade eine neue Funktion für den Google Assistant auf seiner I / O Developer Conference gezeigt. Der Assistent wird bald in der Lage sein, eine telefonische Reservierung zu machen – vielleicht für einen Hairstyling- oder Arzttermin oder um einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren, das keine Online-Buchungen akzeptiert. Selbst mit Anrufen, die nicht wie erwartet laufen, könne der Assistent gut umgehen, demonstriert Google. Das Unternehmen plant, diese Funktion im Sommer 2018 zu testen.

Video Google Assistant in action: https://www.youtube.com/watch?v=JvbHu_bVa_g

Amazon kündigte vor einem halben Jahr an, mit Alexa for Business ein Echo auf jeden Schreibtisch zu setzen. Dadurch können Unternehmen Sprachroutinen für Videokonferenzen einrichten und Alexa-Befehle verwalten, die Mitarbeiter verwenden können. Das System soll sich auch mit Services wie Microsoft Exchange, Salesforce und SAP Concur verbinden.

Sprachsteuerung verändert SEO

Mit zunehmender Sprachsteuerung verändert sich auch die Suchmaschinen-Optimierung. Die Spracherkennung hat nicht nur die komplexe Aufgabe, anhand von Lauten und Worten einen Sinn zu verstehen, sondern auch Beziehungen und Zusammenhänge zu entschlüsseln.

Das bedeutet, dass bei der Keyword-Recherche neben den richtigen Keywords auch die relevanten Fragen evaluiert werden müssen. Satzbasierte Suchen, insbesondere in Frageform gestellt, erfordern eine andere Optimierung des Contents. Beruhigend: Mit Voice Search geht SEO einen großen Schritt weg von der Optimierung von Maschinen hin zur Optimierung für den Menschen.

Wer also die Fragen seiner Zielgruppe kennt und ihr Antworten und Lösungen mit Mehrwert bietet, ist für die wachsende Popularität gesprochener Suchanfragen gut vorbereitet.

Auf welche Weise wird Voice die Beziehung zwischen Agenturen und Kunden beeinflussen?

Markus Kucborski, Interims CTO, Voice-Experte und gerade in der Funktion als Campus CTO am ambitionierten Co-Working Space Factory Campus in Düsseldorf tätig, kennt die Herausforderungen:

„Was ist denn aus Kundensicht relevant beim Thema Voice? Agenturen denken primär in Kampagnen und Projekten, selten in Produkten. Man braucht kein Kampagnentool, das Sprache kann. Sprache ist vielleicht ein perfektes Event-Tool. Da wird eine App geschrieben, die Leute berät, welche Drinks sie brauchen. Ich finde das total nutzlos. Die meisten Leute werden Print zu Sprache konvertieren wollen. Menükarten, Beratung, etc. –  all das wird sprachgesteuert.

Wenn man früher einen Drucker gekauft hat, dann gab’s ein Handbuch. In der 2. Generation gab’s eine CD. Jetzt in der 3. Generation gibt’s einen Beipackzettel mit einer URL, über die ein youtube-Video abzurufen ist. Die 4. Generation wäre, dass man seinen digitalen Sprachassistenten fragt, wie man den Drucker installiert. „Alexa, wie kann ich meinen neuen Drucker installieren?“

Alexa hat anhand der Kameras, die wir in Zukunft in unseren Häusern installieren werden, das Druckermodell rasch erkannt. Und fragt nur mehr nach: „Ist das ein HP 19 oder 20?“ Dann sag ich: „Das ist ein HP 20.“ Dann sagt Alexa: „Bitte schalte den Fernseher ein. Ich rufe Dir die Installationsvideos für die deutsche Version von HP 20 Druckern auf.’”

Kameras überall in der Wohnung?

„Ja, Kameras werden in die Smart Homes der Zukunft eingebaut. Dann kannst Du Deinen digitalen Butler fragen: „Alexa, wo liegt mein Schlüssel? Oder Alexa, wer hat eigentlich das letzte Brot gegessen? Meine Oma verlegt im Altersheim immer wieder ihre Zähne. Mit Voice wäre das alles kein Problem. Da würde die Krankenpflegerin fragen: „Alexa, wo liegen die Zähne von Frau Müller?“

Kucborski lacht. „Das sind Szenarien, aber in einigen Jahren werden wir zurückblicken und denken: ‚Wie konnte man vorher ohne auskommen’?“

Wenn wir also von Voice reden, meinen wir damit eine dauerhafte Veränderung von Nutzergewohnheiten. Das Mikrofon mag die Tastatur kurzfristig nicht ersetzen, das gesprochene Wort wird aber künftig einen so großen Teil der Suchanfragen steuern, dass sich Nutzer und Unternehmen mit Voice intensiv auseinandersetzen müssen.

Auf die Frage: „Alexa, gib mir eine Idee zum Muttertag“ ertönt diese Antwort: „Wie wär’s mit dem Klassiker Pralinen und Blumen? Aber mach das nur, wenn Deine Mutter Schokolade mag und nicht gegen Blumen allergisch ist.“ Gute Idee, Alexa. Aber Schoko und Blumen sind Treats für alle Tage. Werde bitte kreativer.

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